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Jörg Hüddersen Photographie

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Leuchttürme im Betrieb fotografieren

Einen Leuchtturm bei Tag zu fotografieren ist keine große Herausforderung. Das ändert sich, wenn man ihn nachts im Betrieb fotografieren möchte. Ein Foto mit erkennbarem Turm, einer nicht überstrahlten Turmspitze und einem erkennbaren Lichtstrahl gelingen erst mit ein wenig Vorbereitung.

Leuchtturm Dornbusch in Betrieb
Einige kameratechnische Hintergründe

Digitalkameras - egal ob als Handyknipse oder Profi-DSLR - haben einen weitaus geringeren Kontrastumfang als das menschliche Auge. Das bedeutet, dass unser Auge weniger Probleme hat, ganz dunkle und ganz helle Bereiche nebeneinander detailreich zu erkennen. Anders eine Digitalkamera: sie kann entweder nur den hellen Bereich auflösen und den dunklen Bereich schwarz darstellen oder umgekehrt den dunklen Bereich auflösen und den hellen Bereich komplett weiß darstellen. Beides gleichzeitig kann sie nicht. Wer einmal versucht hat, einen Vollmond bei Nacht zu fotografieren, kennt das: meist ist der Mond nur ein weißer Fleck, da die Belichtungsautomatik der Kamera versucht, die Landschaft rundherum richtig zu belichten. Entsprechend lang fällt die Belichtungszeit aus und der Mond ist als Folge davon überstrahlt. Verkürzt man die Belichtungszeit, bis die Details des Mondes auf dem Bild erkennbar sind, bleibt von der Landschaft nur ein schwarzer Bereich im Bild übrig.

Das gleiche Problem ergibt sich bei Leuchttürmen in Betrieb: Die Lichtstrahlen sind so hell, dass vom Turmgebäude und seiner Umgebung nichts als schwarz übrig bleibt. Es gibt jedoch zweimal am Tag eine Konstellation, bei der solche Aufnahmen gelingen: morgens zu Beginn der blauen Stunde und abends zum Ende der blauen Stunde. Die blaue Stunde bezeichnet die Zeit der Dämmerung nach Sonnenuntergang bis zum Eintritt der nächtlichen Dunkelheit. Zur Berechnung der blauen Stunde eignen sich am besten Smartphone-Apps wie Sun Surveyor für iOS. Sie zeigen neben vielen anderen Informationen auch die blaue Stunde für jedes beliebige Datum und jeden beliebigen Ort an.

Sun Surveyor für iOS

Beim Übergang von blauer Stunde zu nächtlicher Dunkelheit ergibt sich eine Lichtsituation, mit der auch Digitalkameras klarkommen: es gibt noch genug Restlicht, um das Turmgebäude zu beleuchten und gleichzeitig ist der Lichtstrahl gegen den abgedunkelten Himmel erkennnbar.

Ausrüstung

Als Ausrüstung benötigt man eine gute Digitalkamera (das Smartphone tut es zumindest im Jahr 2017 noch nicht) und ein Stativ. Eventuell kann ein leichter Grauverlaufsfilter die Aufnahme verbessern, doch dazu später mehr. Die Frage des Objektivs ist eigentlich nebensächlich, der Leuchtturm muss nur bei der gewählten Brennweite ins Bild passen. Da wir mit einer Blende zwischen 4 und 8 arbeiten, muss es kein besonders lichtstarkes Objektiv sein. Praktisch für alle Stativaufnahmen mit längerer Belichtungszeit ist außerdem ein Fernauslöser, der das Auslösen der Kamera ermöglicht, ohne sie dabei zu berühren und Verwacklungen zu riskieren.

Grundeinstellung der Kamera

Vor Ort heißt es dann aufbauen und Kamera einstellen. Ich empfehle folgende Einstellungen:

  • Eventuell vorhandenen Bildstabilisator ausschalten (und nach Ende der Fotosession nicht vergessen, ihn wieder einzuschalten).
  • Aufnahmeprogramm 'A' (Zeitautomatik / Blendenvorwahl) einstellen.
  • Den Leuchtturm einmal mit dem Autofokus scharfstellen. Danach den Autofokus abschalten: wenn es später noch dunkler wird, hat der Autofokus je nach Kamera schon mal mehr oder weniger Schwierigkeiten, erneut scharfzustellen. Solange die Brennweite nicht verändert wird, besteht kein Grund erneut scharfzustellen.
  • Eine Blende zwischen 4 und 8 wählen. Unter vier besteht die Gefahr, dass nicht der komplette Turm scharf dargestellt wird. Blenden über 8 bringen meist keinen Gewinn an Schärfe und verlängern nur unnötig die Verschlusszeit.
  • Die ISO-Empfindlichkeit so einstellen, dass Verschlusszeiten unter einer Sekunde herauskommen. Je kürzer die Verschlusszeit ausfällt, desto schärfer begrenzt erscheint der Lichtstrahl auf dem Foto. Allerdings braucht es auch eine gewisse Belichtungszeit, bis der Strahl überhaupt gut erkennen ist. Zu kurz ist also auch nicht gut. Ich habe meist Zeiten zwischen 1/2 und 1/10 Sekunde benutzt. Was in der jeweiligen Situation passt, kann man eigentlich nur ausprobieren. Zu vielfältig sind die Einflussfaktoren wie Helligkeit des Strahls, Restlicht, Helligkeit des Mondes, Luftfeuchtigkeit / leichter Nebel und so weiter und so fort.

Grauverlaufsfilter

Wenn es noch etwas heller ist, kommt es vor, dass die den Turm umgebende Landschaft unterbelichtet wird, da der Turm vor dem hellen Himmel steht. Um dies zu vermeiden, kann ein leichter Grauverlaufsfilter (z.B. Cokin 121L mit ND2) den Himmel bis zur Horizontlinie hinunter abdunkeln und so das Kontrastverhältnis zwischen Landschaft und Himmel wieder in einen für die Digitalkamera beherrschbaren Bereich drücken, wie das nachfolgende Foto zeigt:

Leuchtturm Dornbusch in Betrieb

Weißabgleich und Nachbearbeitung

Selbstverständlich sollten die Aufnahmen im RAW-Format erfolgen. Nur hier lässt sich die Farbgebung des Bildes durch einen Weißabgleich am Rechner optimal einstellen. Die kamerainterne JPG-Umwandlung versagt hier gelegentlich und liefert sehr blaue Bilder, die man im Rechner nicht mehr gut ändern kann.

Neben dem Weißabgleich empfiehlt sich bei der Nachbearbeitung eine selektive Tonwertkorrektur, bei der die Spitzlichter etwas reduziert und die Schatten etwas angehoben werden, um eine detailreiche Darstellung zu erzielen.

Da die Aufnahmen nicht selten ISO-Werte zwischen 2000 und 6400 erfordern, ist eine Rauschreduzierung sicher eine gute Idee. Wer über eine Kamera mit besonders hoher Auflösung verfügt, kann auch über eine Reduzierung der Auflösung auf 6-10 Megapixel (z.B. 3.000 x 2.000 Pixel) bei der Ausgabe eine weitere Rauschreduktion erreichen. Das reicht dann immer noch locker für die Darstellung am Bildschirm und für normale Abzüge und reduziert den Platzverbrauch auf der Festplatte und die Zeit für Uploads in soziale Medien. Für Großformatdrucke lässt sich jederzeit ein neues Bild in voller Auflösung aus der RAW-Datei berechnen.

Zu Schluss noch ein Tipp: eine solche Fotosession dauert schnell mal 1-2 Stunden und ohne die wärmende Kraft der Sonne wird es schnell kalt. Eine Jacke oder ein zusätzlicher Pullover verhindern eine Erkältung und machen das Fotografieren angenehmer.

Leuchtturm Dornbusch in Betrieb
Leuchtturm Helgoland
Leuchtturm Helgoland
Leuchtturm Helgoland

Mit der Belichtungszeit spielen

Durch eine Verlängerung der Belichtungszeit lässt sich aus einem Strahl ein kleiner Fächer Formen:

Phare de Gateville
Phare de Gateville

Das erste Bild wurde mmit 1/6 Sekunde und das zweite mit einer Sekunde Belichtungszeit aufgenommen. Um den dadurch auftretenden Helligkeitsunterschied auszugleichen wurde für die kurze Belichtungszeit ISO 2000 und für die längere Belichtungszeit ISO 1000 gewählt.