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Jörg Hüddersen Photographie

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Jagd nach der Aurora

Aurora borealis, das Nordlicht oder Polarlicht ist eine Lichterscheinung am nördlichen Himmel, die durch das Auftreffen geladener Teilchen aus dem Erdmagnetfeld in der oberen Atmosphäre hervorgerufen wird. Der Effekt tritt auch auf der Südhalbkugel auf und heißt dort Aurora australis. Die geladenen Teilchen stammen von der Sonne und regen Stickstoff- und Sauerstoffatome in der oberen Erdatmosphäre zum Leuchten an. Polarlichter treten allerdings nicht an den geographischen sondern an den magnetischen Polen der Erde auf. Aus dem Weltraum betrachtet ergibt sich ein Kranz etwa auf Höhe der Polarkreise, in dem das Polarlicht zu beobachten ist. Bei sehr starkem Sonnenwind ist das Nordpolarlicht aber auch bis in die mittleren Breiten Europas oder Nordamerikas hinein zu beobachten.

Aurora borealis über Seltjarnarnes

Gute Orte zur Beobachtung sind Norwegen, die Faroer-Inseln, Spitzbergen und Island. Bevor man sich nachts aber auf die Jagd begibt, lohnt ein Blick auf die Polarlichtvorhersage. Durch Beobachtung der Sonnenoberfläche lässt sich die Stärke des auf die Erde auftreffenden Sonnenwindes etwa drei Tage weit vorhersagen. Angegeben wird der sog. Kp-Index mit einem Wert zwischen 0 und 9. Während Werte über 6 recht selten sind, treten Kp-Indizes von 4 oder 5 häufiger auf und versprechen eine erfolgreiche Jagd. Auf www.spaceweatherlive.com kann man die aktuellen Indizes und die Vorhersage aufrufen. Speziell für Island betreibt der isländische Wetterdienst IMO eine Website, die neben dem Kp-Index auch die Dichte der Wolkendecke vorhersagt. Nur bei klarem Himmel lassen sich die Polarlichter beobachten, da sie sich in 100-200 km Höhe und somit weit oberhalb der Wolkendecke bilden. Die englische Version der Seite ist unter http://en.vedur.is/weather/forecasts/aurora/ abrufbar. 

Neben einem klaren Himmel braucht es auch echte Dunkelheit, um die Lichter gut erkennen zu können. Daher eignen sich Innenstädte nur begrenzt zur Beobachtung von Polarlichtern. Besser sind unbewohnte und von Straßenlaternen verschonte Gebiete.

Polarlichter fotografieren

Die meisten Bilder, die im Internet von Polarlichtern zu sehen sind, sind Langzeitbelichtungen, die das Licht mehr oder weniger extrem verstärken. Meist erscheint das Polarlicht dem Auge als fahle Lichterscheinung am Himmel. Nur selten ist es wirklich hell. Daher braucht es eine längere Belichtungszeit, um das Polarlicht einzufangen. Je nach Stärke des Lichts haben sich Zeiten von 10 bis 30 Sekunden bei Offenblende (f/2.8 - f/4.0) und ISO-Werten um 640 bewährt. 

Ein Weitwinkelobjektiv sorgt dafür, dass ein ausreichend großer Ausschnitt des Himmels eingefangen wird. Zwischen 10 und 20 mm Kleinbildäquivalent sind gute Werte. Dass das Ganze nur mit einem Stativ funktioniert versteht sich natürlich von selbst. Um Verwacklungen noch weiter auszuschließen, empfiehlt sich die Spiegelvorauslösung bei Spiegelreflexkameras, durch die im ersten Schritt der Spiegel hochklappt und das Foto erst beim zweiten Druck auf den Auslöser aufgenommen wird. Mit einer Fernbedienung lässt sich außerdem ein Ruckeln beim Drücken des Auslöseknopfes vermeiden.

Zu guter Letzt sei wie bei jeder Langzeitbelichtung die Rauschunterdrückung mittels Schwarzbild angeraten. Dabei nimmt die Kamera nach dem eigentlichen Bild ein zweites bei geschlossenem Verschluss mit gleicher Belichtungszeit auf. Das dabei entstehende Rauschen auf dem ansonsten schwarzen Bild deckt sich mit dem Rauschen auf dem Originalbild und kann aus diesem herausgerechnet werden.

Nachbearbeitung 

Nordlichter südlich von Reykjavik

 Nur der richtige Weißabgleich sorgt auch für einigermaßen weißen Schnee... 

Die Aufnahme selbst sollte auf jeden Fall im RAW-Format erfolgen. Das ermöglicht eine nachträgliche Bearbeitung des Bildes in DXO oder Lightroom. Neben einer Anhebung des Kontrates, beispielsweise mit einer S-förmigen Gammakurve empfiehlt es sich, auf den Weißabgleich zu achten. Das wenige Licht, das auf den Kamerasensor trifft sorgt manchmal dafür, dass der automatische Weissabgleich nicht immer korrekt sitzt und entweder viel zu warme (rotstichige) oder viel zu kalte (blaustichige) Bilder liefert. Eine Anpassung der Farbtemperatur sorgt dann für die gewünschte Lichtstimmung.