Die Welt durch die Kamera gesehen

Jörg Hüddersen Photographie

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Helgoland bei schlechtem (?) Wetter

So richtig einladend war der Wetterbericht nicht: Sturm und Regen waren für die nächsten Tage an der deutschen Küste angesagt. Aber der Trip nach Helgoland war seit Wochen gebucht. Der nächste Dämpfer kam dann bei der Ankunft in Cuxhaven: aufgrund der rauhen See nimmt die Atlantis (Nomen est Omen?) keine Tagestouristen mit und kehrt nach der Ankunft in Helgoland auch sofort wieder um. "Das mag ja was werden...", dachte ich.

Zum Glück bin ich nicht anfällig für Seekrankheit und so konnte ich während der Überfahrt die Symptome studieren: bei Kindern beginnt es damit, dass sie plötzlich ganz still werden. Das heißt für die Eltern: sofort Tüte klarmachen. Bei Erwachsenen weicht zunächst die Farbe aus dem Gesicht und dann aus den Lippen. Wenn beides aussieht wie eine frisch gemachte Erfurt 21-Rauhfasertapete ist es auch da soweit.

Nach der Ankunft wurde schließlich noch bekannt gegeben, dass am nächsten Tag überhaupt kein Schiff Helgoland anläuft. Hieß das nun gestrandet bei Sch...wetter? Nur ein bißchen, wie sich herausstellen sollte. Als erstes mal fehlen die Horden von Tagestouristen, die nachmittags die Insel belagern. Helgoland bleibt Dorf. Und mit regelmäßigem Blick auf das Regenradar im Internet und einem Hotelzimmer mit Blick aufs Meer läßt sich die Zahl der erlittenen Duschen in Grenzen halten.

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Dafür belohnt einen der Wettergott mt einem göttlichen Licht. Die See wandelt ihre Farbe ins grünliche und die grauen Wolken mit blauen Lücken lassen fast Südseefeeling aufkommen. Und trotz dunkler Wolken ist noch genug Licht für kurze Zeiten vorhanden.

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Apropos Wolken: Hier kam der Grauverlaufsfilter intensiv zum Einsatz. Die aufgetürmten Regenhaufen am Himmel wirken damit nochmal so bedrohlich. Kombiniert mit einem Weitwinkel gibt das herrliche Perspektiven, die beser als aus dem Prospekt aussehen.

Auch die Vögel auf Helgoland bieten bei Sturm einen Mehrwert für die Fotografen: Mit ausgestreckten Flügeln treiben sie beinahe still stehend in der Luft und lassen genug Zeit zum Fokussieren. Zum Teil standen sie in mehrern Ebenen übereinander einfach in der Luft und beobachteten ihre Artgenossen auf dem Vogelfelsen. Einzig die Windböen sorgten dafür, dass es einen guten Stand brauchte, um die Kamera ruhig zu halten.

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Es lohnt sich also durchaus auch mal bei Sturm die Überfahrt zu wagen und das besondere Licht auszunutzen. Dafür bin ich auch gern ein paar Mal richtig nass geworden - der Wind hats ja auch schnell wieder getrocknet...