Die Welt durch die Kamera gesehen

Jörg Hüddersen Photographie

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Hafenrundfahrt bei Nacht

Die England-Fähre von Rotterdam nach Hull und zurück fährt die Strecke über Nacht. Dabei gibt es kurz nach dem Ablegen in Rotterdam oder Hull zwei nächtliche Hafenrundfahrten, die die dort liegenden Schiffe und die Hafenanlagen in teilweise schillernder Beleuchtung zeigen.

Rotterdam

Besonders die petrochemischen Anlagen in Rotterdam wirken nachts wie mit Lichterketten beleuchtet: tausende Lampen erhellen die Anlagen so, dass sich eine Lichtaura über ihnen bildet.

Rotterdam

Fotografisch besteht die Schwierigkeit darin, die Aufnahmen nicht zu verwackeln. Ein Stativ scheidet leider aus, da das fahrende Schiff die Vibrationen der Maschine auf die Kamera übertragen würde. Außerdem schaukelt das Schiff auch im Hafen ein wenig. Längere Belichtungszeiten als solche, die man aus der Hand halten kann, scheiden also aus.

Was tun? Als erstes mal die ISO-Empfindlichkeit auf Anschlag. Je mehr die Kamera ohne massives Rauschen hergibt, umso besser. Die Bilder hier sind mit ISO 5000 oder mehr entstanden. Das zweite ist ein möglichst lichtstarkes Objektiv. Das erforderte mal wieder einen Einsatz für mein geliebtes Sigma 70-200 mit durchgängiger Anfangsblende von f/2.8 und Bildstabilisator. Hier und da wäre eine etwas längere Brennweite besser gewesen, aber wenn es um die Abbildungsleistung bei schwachem Licht geht, ist dieses Objektiv so etwas wie eine Allzweckwaffe. Notfalls kann man ja in der Nachbearbeitung noch etwas hineinzoomen.

So ausgerüstet ergaben sich Belichtungszeiten von einer 1/30 bis zu einer 1/80 Sekunde, was mit Hilfe des Bildstabilisators einigermaßen zu halten ist. Ich habe im Zweifelsfall auch eher ein wenig unterbelichtet und hinterher den Rechner bemüht, um das wieder auszugleichen. Die Belichtung lässt sich in der Nachbearbeitung hochziehen, unscharfe Bilder bekommt man nicht wieder scharf.

Überhaupt ist hier die Nachbearbeitung mit einem RAW-Entwickler wichtig. Das bedeutet natürlich, auf keinen Fall JPGs aufzunehmen. Deren Reserven reichen für eine hochwertige Nachbearbeitung nicht aus. Mit RAW-Dateien lässt sich die Belichtung so anpassen, dass die gewünschte Lichtstimmung tatsächlich herauskommt. Hier gilt es höchstens, nicht zu übertreiben und aus dem schwarzen Himmel keinen grauen zu machen. Die zweite wichtige Einstellung beim Entwickeln der RAW-Dateien ist die Rauschunterdrückung. Mit über 20 Megapixeln hat man genug Auflösungsreserve, um das bei diesen Einstellungen unvermeidliche Rauschen herauszurechnen. Gelingt das nicht zufriedenstellend, hilft eine Verkleinerung auf 8-10 Megapixel. Wieviel Rauschen herausgerechnet werden muss, hängt übrigens auch von der Belichtungskorrektur ab. Je stärker die dunklen Stellen angehoben werden, desto stärker erscheint auch das Rauschen.